Ja, das Warten hat so seine witzigen Seiten. Wir hocken gerade in Kuala Terengganus überdimensionalen (und leider ziemlich leeren) Flughafen unter einem "Dilarang Merokok" Schild (no smoking; die Strafe sind übrigens nicht 20 Stockschläge, sondern 10'000 Ringgit oder 2 Jahre Haft) und haben noch 5 Stunden zu warten, bis unser Flug nach KL abhebt. Aus südlicher Richtung weht der Gesang eines eher weniger talentierten Muezzin (wir haben selten welche gehört, und einige waren tatsächlich ziemlich gut) zu unseren Ohren und wir fragen uns langsam, was ihm wohl weh tun mag (nach dem Gejammer zu urteilen, muss es ernst sein). Dazu ist Annina ziemlich lustig drauf, und liest gerade "Reisetipps von A bis Z" in unserem treuen Führer (was in Anbetracht des Endes unserer Ferien nicht viel Sinn macht, aber es dient eher der Ablenkung). Das Ganze, wie gesagt, hat eine eigene Komik die man schwer erklären kann (und versetzt mich in eine eher sarkastische Stimmung, wie man sicher merken kann).Und es gibt mir die Zeit, um über unseren Aufenthalt auf Lang Tengah nachzudenken.
Wie war es also auf dieser Insel? Traumhaft schön und erholsam ruhig. Gleich nach unserer Ankunft, und nachdem unser Gepäck per Boot in den Westflügel gebracht wurde, haben wir alles in unserem schönen Zimmer verstaut und sind an den 20 Meter entfernten Strand gegangen. Es war bewölkt, also sind wir kurz (und ohne Schutz) schwimmen gegangen. Und hätten uns beinahe einen Sonnenbrand geholt. Nach ausgiebigem Eincremen und nachdem die Sonne wieder ihr Antlitz gezeigt hat, waren wir noch Schnorcheln.
Die Abende waren genau wie die Tage (mit Ausnahme von gestern): ruhig, gemütlich, ohne Hektik. Das Essen jedes Mal ausgezeichnet.
Am zweiten Tag haben wir uns für eine Schnorcheltour auf eigene Faust entschieden. Rund um die Insel hat es zahlreiche Spots die sehr schön sind. Zum "Moon Rock", auf der anderen Seite der Insel, kann man in einer Stunde laufen und dann zurück schnorcheln. Wir haben uns für zweimal schnorcheln entschieden und haben eine neue Sportart erfunden: Extreme Snorkeling. Um 11 Uhr sind wir, mit Schutzfaktor 50 eingecremt, mit T-Shirt und 2 Flaschen Wasser im Schlepptau, Richtung Süden gestartet. Und geschnorchelt, und die Vielfalt an Korallen und Fischen bestaunt. Nach einer Weile sind wir dann wieder auf sandigen Grund gestossen (der "Moon Rock" soll in einer Bucht mit sandigem Grund liegen). Aber kein mondförmiger Felsen weit und breit. Also sind wir weitergeschwommen. Und geschwommen. Und geschwommen, ohne wirklich eine Pause einzulegen, da die Ostküste der Insel felsig und ohne Strände ist, und praktisch keine Möglichkeit besteht, aus dem Wasser zu kommen. In der Zwischenzeit waren schon einige Stunden vergangen, und wir haben uns schon gefragt, ob (und wie) wir es überhaupt bis zum mittlerweile von uns verfluchten "Moon Rock" schaffen würden. Zum Glück hat uns die Unterseewelt mit allem möglichem Getier (Haie, Rochen, Barrakudas, Napoleonfische, und was sonst alles so schwimmt oder sich an Felsen krallt) belohnt. Nach einem (erneuten) Versuch, haben wir es doch noch an Land geschafft, um eine kurze Pause zu machen und nachsehen, ob wir über die dschungelbewachsenen Hügel einen Weg finden können. Leider war dies nicht der Fall. Aber es ist mir aufgefallen, dass wir uns wieder in südliche Richtung bewegten. Das konnte nur eines heissen: wir waren bereits über die nördliche Spitze der Insel geschwommen und waren unserem Startpunkt immer näher. Gegen 17 Uhr haben wir, erschöpft aber glücklich, unseren Strand wieder erreicht. In 6 Stunden hatten wir die Insel umrundet, und alle möglichen Schnorchel-Spots erkundet!
Den folgenden Tag haben wir logischerweise der Ruhe und dem (Sonnen)Baden gewidmet.
Am Donnerstag habe ich Annina für eine Weile im Stich gelassen, und bin Tauchen gegangen. Der Tauchgang an der Nordspitze der Insel (welch eine Ironie) war sehr schön. Mit dem Dive Master und einem anderen Gast (ein eher atypischer Römer) haben wir zahlreiche Fisch- und Korallenarten in 24 Meter Tiefe bewundert. Nachdem ich mich bei meinem Tauchbuddy als Italiener outen musste, haben wir den Abend mit einer kleinen Gruppe (kleine Gruppen sind ungefährlich :-) ) Italiener verbracht und bis spät in die Nacht getratscht und gelacht.
Heute um 13 Uhr haben wir, auf einer durch den Wind aufgepeitschten See, die Rückreise angetreten. Nach zirka einer Stunde sind wir mehr oder weniger durchnässt am Festland angekommen. Kurze Taxifahrt. Nun sitzen wir hier. Und die Zeit steht still...
Oli + Annina
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