Schweren Herzens haben wir Melaka verlassen; gerne wären wir ein paar Tage länger geblieben. Aber eine Insel wartet noch auf uns und die befindet sich auf der anderen Seite des Landes. Nach einem nahrhaften und leckeren Frühstuck haben wir das Apa Kaba Homestay verlassen und unseren Schoko-Flitzer in Richtung Norden gewendet. Die Autobahn (habe ich schon erwähnt, wie gut der Zustand der Autobahnen ist?) wäre aber eine zu Einfache Variante gewesen, also haben wir uns für die kleinen Strassen entschieden, um mehr von Land zu sehen (was Oli am Ende des Tages und nach 11 Stunden hinterm Steuer fast - aber nur fast - bereut hat).
Wir durften auf dem Weg Richtung KL viele tolle Landschaften sehen aber auch etliche Palmöl-Plantagen, die nicht so aufregend sind. Auf den abseits gelegenen Strassen ist der Verkehr ein Tick sportlicher. Der Zustand der Strassen ist, wenn man an das äquatoriale Klima denkt, gar nicht so übel. Aber ab und zu trifft man auf ein reizendes Schlagloch, welches den aufmerksamen Fahrer zu einer ziemlichen Vollbremsung zwingt (und den weniger aufmerksamen wahrscheinlich in die Werkstatt). Desto weiter wir ins Landesinnere vordrangen, desto häufiger haben wir, zu unserem Bedauern, Lastwagen mit Tropenholzladungen gekreuzt (je nach Kurve und Strassenzustand auch ein sportliches Ereignis).
An dieser Stelle ist noch eine Klammer angebracht, und zwar über den Fahrstil der Malaysier. Hier ein Paar Regeln:
- Überholen geht immer (in Kurven mit 0 Sicht auch), egal wie eng die Strasse
- Mopeds überholen rechts UND links
- Mopeds fahren an Kreuzungen immer raus, egal wer oder was gerade mit 90 Sachen angebrettert kommt
- Blinker scheinen auf den meisten Fahrzeugen nur als Option erhältlich zu sein
- Spuren zum Abbiegen sind Überholspuren
- Wenn irgendwo AWAS steht, dann bremse lieber (entweder ist die halbe Strasse den Hang herunter gerutscht, oder es kommt ein brutales Schlagloch)
- Wundere dich nicht wenn du Büffel, Ziegen, Schafe, Hühner, Hunde, Katzen, Warane oder Affen auf der Strasse triffst
- Heizung gibt es im Auto nicht - nur Kalt und Kälter
- Rasende, beschleierte Frau in Protzkarren sind keine Seltenheit
- Rasen, mit oder ohne Schleier, ist Nationalsport Nr. 1
Der Verkehr ist aber generell sehr Dynamisch und nicht aggressiv. Langsamere Fahrzeuge bleiben schön am Rand oder winken dich durch (in diesem Fall funktioniert der Blinker anscheinend). Also insgesamt ein fröhliches Durcheinander. Soviel zum Thema Verkehr.
Nachdem wir nahe an KL vorbeigefahren sind, sind wir der Strasse Richtung Norden weiterhin gefolgt, um irgendwann in den Cameron Highlands anzukommen. Es wurde aber ein langer Weg. Anstatt der Route 55 haben wir aus Versehen die kleine Bergstrasse nach Frasier's Hill genommen. Welch ein Abenteuer. Wenn es hier regnet, dann richtig. So sind wir bei strömenden Regen der Berg hinauf gefahren, eine enge Kurve nach der anderen, mitten im Dschungel, durch Bambus-Haine, über vom Regen erzeugte Bäche. Obwohl es ein Irrtum war, würden wir diese Fahrt jederzeit wiederholen, so traumhaft schön war sie. Oben angekommen hatte sich das Wetter bereits beruhigt und Nebelschwaden haben dem Wald eine mystische Atmosphäre verliehen. Es wurde aber immer später, die Highlands waren noch weit entfernt, und kein Ende der Irrfahrt in Sicht. Schlussendlich haben wir bei Anbruch der Dunkelheit die Autobahn erreicht und diese in Richtung Ipoh genommen. Leider fing es wieder an in Strömen zu regnen. Das hat natürlich das Vorwärtskommen auch nicht leichter gemacht.
Schlussendlich, und nach einer erneuten Bergstrasse ähnlich zu der nach Frasier's Hill, sind wir in Tanah Rata, Cameron Highlands, angekommen.
Am folgenden Tag haben wir die BOH Teeplantage besichtigt. Die Landschaften waren erneut wunderschön und der Tee köstlich. Leider mussten wir feststellen, dass nicht alles auf den Cameron Highlands so schön ist, wie die Plantagen. Wenn man der Strasse weiter in Richtung Kota Bahru folgt, trifft man auf jede Menge riesiger, anscheinend leer stehende Hotelkomplexe. Wir können uns nicht vorstellen, dass man diese jemals füllen könnte. Es scheint auch eine Angewohnheit hierzulande zu sein, im Überfluss zu Bauen. Häufig findet man eine riesige Shopping-Mall neben der anderen. Und so scheint es auch in Tanah Rata zu sein. Die Strasse nach Kota Bahru war ein bisschen einfacher als der Weg in die Highlands, jedoch wurde es durch eine weiter Irrfahrt zu einen längeren Angelegenheit. Trotz guter Beschilderung war es nicht immer einfach unser nächstes Ziel zu finden.
Über Kota Bahru gibt es nicht viel zu erzählen. Die Stadt wir meistens als Übergangsstelle nach Thailand benutzt. Nach einer erholsamen Nacht sind wir heute in Kuala Terengganu, kurz KT, angekommen und haben uns ein Hotel gegönnt. Die Stadt liegt am Meer und ist durch das Vorkommen von Erdöl ziemlich reich. Nach einem Spaziergang am Strand und dem Abendessen sind wir nun hier im Zimmer und warten gespannt drauf, was uns der morgige Tag so bringen wird.
Oli + Annina
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